Dienstag, 9. Dezember 2008

Schnee.

Juchu. Viel Schnee. Aber ausgerechnet ein kleiner Schneesturm, wenn ich mir in Ruhe Helsinki angucken will? Na gut, winterliche Stimmung bringt man ja schon irgendwie ganz gerne mit Finnland in Verbindung. Außerdem habe ich endlich den Beweis, dass meine Kamera robuster ist, als immer alle sagen:

Desweiteren gab's dem Wetter zum Trotz eine... naja... Weihnachtsparade? Den genauen Sinn und Zweck dieses kleinen Umzugs habe ich nicht verstanden, aber guckt mal, wen ich entdeckt habe:

Noch ein kleines bisschen Finnisch-Unterricht gefällig? Nehmt einfach ein deutsches, schwedisches oder manchmal auch englisches Wort und hängt ein -i hinten dran. Das sollte in den meisten Fällen reichen. Die Grillbude heißt beispielsweise "Grilli", die Salami "Mettwursti".


Und auch in Finnland wird man seltsam angeguckt, wenn man ein Glas gesunde Milch bestellt. Der Kellner fragte 3 mal nach, was ich haben möchte. "Pepsi?" - "No, one glass of milk, please?" - "What? Do you want Pepsi?" - "No, just one glass of milk, please." - "Milk? Oh...mhh...yes, ok." Hier der stolze Jäger mit seiner Beute (übrigens minderwertige H-Milch mit geringem Fettgehalt. Offensichtlich sind die Finnen genauso unfähig wie die Schweden, Milch mit mehr als 3 Prozent Fett zu verkaufen. In diesem Fall schmeckte es nach 0,5prozentiger Milch. Ja, sowas gibt es wirklich.):

Weiter Fotos aus dem winterlichen Helsinki gibt es hier <-.

Und wo wir schon beim Thema Fotos sind: Manchmal kann ich mich ja dazu durchringen, morgens recht früh aufzustehen. Auch wenn ich belächelt werde, weil ich morgens um 6 losziehe, um Stockholm am frühen Morgen im Schnee zu fotografieren. (”Ach, das kannste doch auch heute Abend noch machen, oder morgen oder so.”). Gut, dass ich's trotzdem gemacht habe, einen Tag später war vom Schnee außer diversen Matschpfützen nichts mehr zu sehen. Die Bilder, für die ich meinen wohlverdienten Schlaf opferte, gibt es hier <-.

Ein wenig Kultur gefällig? Diesmal geht es um einen bedeutenden schwedischen Schriftsteller, den guten August Strindberg. Ein wahrlich beeindruckender Mann. Das müssen seine Zeitgenossen ähnlich gesehen haben, denn schließlich zogen sie jeweils anlässlich seines 60. und 63. Geburtstages in einem Fackelzug durch Stockholm, um ihn zu ehren. Er winkte ihnen freundlich vom Balkon aus zu. Und als das arg konservative Nobelpreis-Kommitee sich weigerte, ihm den Nobelpreis zu verleihen, sammelten die Schweden kurzerhand im ganzen Land 45.000 Kronen (eine wirklich beeindruckend große Menge Geld) und überreichten sie ihm als ”Anti-Nobelpreis”. Woher ich das alles weiß? Ich habe es endlich geschafft, das Strindberg-Museum zu besuchen, was ich schon seit Langem vorhatte. In diesem Wohnturm im Herzen Stockholms hatte sich der gute Herr Strindberg gegen Ende seines bewegten Lebens häuslich eingerichtet. Und seine Originalwohnung incl. Einrichtung wurde als Museum hergerichtet. Sogar die Dinge auf seinem Schreibtisch liegen noch in der gleichen akribischen Ordnung, in die der Meister sie vor seinem Ableben gebracht hat. Schon ein seltsames Gefühl, am Sterbebett dieses großen Mannes zu stehen, und in seinem Arbeitszimmer musste ich mir doch glatt eine Träne verdrücken, mitten in den Büchern und Manuskripten des vermutlich bedeutendsten schwedischen Verfassers. Bei nächster Gelegenheit werde ich auch noch an einer Besichtigung seiner Privatbibliothek teilnehmen.

A propos Privatbibliothek...meine Liebe zu Büchern wird mich nochmal in den Ruin treiben. Denn dieses Museum versteht sich gleichzeitig auch als teilantiquarische Buchhandlung, die Werke von und über Strindberg, sowohl gebrauchte als auch neue, zu unglaublich guten Preisen feilbietet. Einige davon haben jetzt ihren Platz in meinem Bücherregal gefunden. Noch dazu hat Stockholm eine sehr rege Antiquariatskultur, sprich: An fast jeder Ecke kann man zu Spottpreisen Bücher erwerben. Kann mich bitte jemand festhalten? Und meine Geldbörse verstecken? Und mich, wenn es Zeit ist, Schweden den Rücken zu kehren, mit einem Lastwagen abholen?

Zum Schluss noch ein wenig aus meinem Alltag. Ach, wie lieblich ich doch heute Morgen geweckt wurde. Wie heißt noch gleich der kleine Bruder vom Presslufthammer, mit dem man Fliesen von den Wänden meißelt? Vom harmonischen Geräusch eines solchen Gerätes wurde ich jedenfalls heute morgen aus dem Schlaf gerissen. Offensichtlich wird im Zimmer über mir das Badezimmer renoviert. Ich hoffe inständig, dass dafür keine schwedischen Arbeiter verpflichtet wurden, denn dann dauert die Renovierung eines kleinen (ca. 4 Quadratmeter) Badezimmers gerne mal über 8 (acht!!!) Wochen.

So, übermorgen geht es nach Lappland. Ich habe eine Skihose, schwere Stiefel mit Spikes, sonstige Warme Kleidung und eine Thermoskanne. Mir kann nichts passieren.

Gehabt euch wohl!

Der Michi

Samstag, 22. November 2008

Eine Kreuzfahrt...

...die ist lustig. Und außerdem spottbillig. Vor allem, wenn man das Glück hat, in einer Stadt wie Stockholm zu wohnen. Wasser gibt es schließlich zur Genüge. Nicht umsonst wird Stockholm das ”Venedig des Nordens” genannt. Wobei der Stockholmer an sich wohl eher Venedig als ”Stockholm des Südens” bezeichnen würde. Worauf ich eigentlich hinaus will? Von meiner beschaulichen Wohnumgebung brauche ich nur ca. eine halbe Stunde zu den Terminals der großen Kreuzfahrtgesellschaften ”Viking Line” und ”Tallink Silja”. Diese beiden Linien haben die ausgesprochen angenehme und studentenfreundliche Angewohnheit, ihre Dienste für einen Spottpreis feilzubieten.

So war ich auch sehr erfreut, als ich gefragt wurde, ob ich nicht spontan an einer Kreuzfahrt in Richtung Åbo (Finnland) teilnehmen wollen würde. Klar würde ich wollen. Und sowohl wollen als auch tun tat ich dann auch. Und schon sind wir wieder bei einer Eigentümlichkeit der Schweden. Ich für meinen Teil verreise ja für gewöhnlich gerne mit einem Ziel, getreu dem alten Muster: Hinreise -> Ziel -> Rückreise. Nicht so die Schweden. Ihnen reicht die seltsame Kombination: Hinreise -> Rückreise. Wo da das Ziel bleibt? Wie man so schön sagt: ”Der Weg ist das Ziel”. In Deutschland würde man eine solche Fahrt ”Butterfahrt” nennen, wobei mir auf der schwedischen Variante nicht ein einziges Stück Butter unterkam. Der Schwede an sich – egal welchen Alters – nutzt nämlich diese Fahrt nicht zur Versorgung mit aus Milchrahm hergestelltem Streichfett, sondern eher, um den steuerfreien Spirituosenladen gründlich leerzukaufen. Bei den in Schweden üblichen Getränkepreisen durchaus verständlich, für deutsche Verhältnisse aber immer noch reichlich teuer. Auch für Einwohner von Ländern mit weniger rigoroser Steuerpolitik interessant ist jedoch das schiffseigene Showtheater, in dem sowohl eine Musical-Show als auch zwei Livebands das Publikum gekonnt zu unterhalten wissen. Ganz zu schweigen von der anheimelnden Atmosphäre, die durch die an ein edles Varieté angelehnte Möblierung erreicht wird. Alleine das war die Umgerechnet 10 Euro für Fahrt incl. Übernachtung in der luxuriösen Kabine mit Flachbildfernseher wert.

Weniger schön war dann allerdings der Anblick einiger schwedischer Rentner am Morgen, die das Frühstücksbrötchen gekonnt mit doppeltem Cognac runterspülten. Auch hier wieder Seltsames: Im Frühstückscafé konnte man zwar zwischen diversen Spirituosen zum Frühstücksmenü wählen, Milch gab es jedoch nicht.

Notiz an mich: Die nächste Kreuzfahrt bitte mit einem Ziel, an dem ich auch an Land gehen kann. Oh, schrieb ich gerade nächste Kreuzfahrt? Die nächste Kreuzfahrt ging anderthalb Wochen später nach Riga. Diesmal war es keine Rentner-Cognac-Fahrt, sondern eine in Zusammenarbeit mit der Uni organisierte ”International Student Cruise” mit Studenten aus Stockholm, Kopenhagen, Karlstad und einigen anderen skandinavischen Universitäten. Wie bei solchen Veranstaltungen leider üblich, waren die 1100 Mitreisenden fast ausschließlich Austauschstudenten, was dafür sorgte, dass mal wieder die englische Sprache ihre Dominanz bewies. Schade eigentlich. Hier durfte ich feststellen, warum die ganze Sache so kostengünstig war. Hättet ihr geahnt, dass es UNTER den beiden Autodecks noch ein Deck gibt? Ich gehe davon aus, dass man einfach nur die Ruderbänke gegen bettähnliche Konstruktionen ausgetauscht hat, denn von Luxus oder gar Sauberkeit war hier nichts zu spüren. Also ehrlich, meine Erwartungen waren ja nicht sonderlich hoch, aber DAS war wirklich albern. Zumindest die Toilette hätte man wenigstens abwischen können, wenn man schon nicht richtig putzt. Zumindest das Bett war bequemer als mein Wohnheimsbett, was aber auch nur bedeutet, dass mich in diesen 2 Nächten keine Metallfedern in den Rücken pieksten. Interessant hingegen war der Umstand, dass ich auch bei geschlossener Tür auf den Gang sehen, zumindest aber das Licht aus dem Gang sehen konnte, denn die Tür war oben und unten dermaßen verbogen, dass sie nur direkt am Schloss überhaupt noch an der Türzarge anlag.

Nichtsdestotrotz ist Riga definitiv eine Reise wert. Das Stadtbild ist – zumindest in der Innenstadt – geprägt von prachtvollen Jugendstilbauten auf der einen und mittelalterlicher Altstadt auf der anderen Seite. Die touristische Saison war allerdings offensichtlich schon vorbei, sodass die Stadt bis auf 1100 übernächtigte Studenten mit mehr Rändern als Augen nahezu menschenleer war. Mein Genussmenschenherz durfte sich dann allerdings in der Taverne zum alten Bernsteinweg an einheimischen Köstlichkeiten und einem großen Krug Bernstein-Starkbier erfreuen. Eine hervorragende Entschädigung für nächtliche Ruhestörung durch auf dem Flur gröhlende Spanier und Franzosen. So eine verbogene Tür bietet leider keinen übermäßig guten Schallschutz.

Wo ich schon bei kulinarischen Köstlichkeiten bin... nicht nur in der Hauptstadt Lettlands, auch in schwedischen Studentenwohnheimen wird bisweilen zauberhaftes kredenzt. So hatte ich das große Glück, zum Essen bei einem ungarischen Mitstudenten eingeladen worden zu sein. Und meine Güte, der Mann kann kochen! Die Bohnensuppe nach Familienrezept, garniert mit der ungarischen Version einer Schweinshaxe, gehört jedenfalls eindeutig zum Besten, was während meiner Zeit hier in Stockholm meinen Gaumen erfreuen durfte. Und auch der selbstgebrannte Pflaumenschnaps, der zu einem solchen Essen offenbar dazugehört, wusste zu überzeugen.

Als ich nach diesem kulinarischen Erlebnis und einem darauf folgenden Treffen mit einer münsteraner Kommilitonin aus Lund zu meinem Wohnheim zurückkehrte, erwartete mich eine weitere Überraschung in Gestalt meines türkischen Flurgenossen:

Keine Angst, der Gute läuft nicht immer so rum, sondern passte seine Kleidung der 2 Stockwerke über uns stattfindenden Sommerparty an, der ich mich dann auch noch für ein paar Stunden anschloß.

Dürfen es noch ein paar Fotos sein? Bei herrlichstem Sonnenschein schrie Schloss Drottningholm, der Sitz der schwedischen Königsfamilie, förmlich danach, besichtigt zu werden. Einfach hier <- klicken.

Noch ein bisschen schwedischer Alltag gefällig? In meinem letzten Eintrag habe ich ja von meinem jugendlichen Leichtsinn getrieben versprochen, dieses Mal das modische Erscheinungsbild junger Stockholmerinnen zu beschreiben. Wahrlich, manchmal ist dies keine Freude. Kleidungsmäßig geht der Trend zu eng und kurz. Und ja, die Körperfülle scheint dabei keine Rolle zu spielen. Also egal ob kurz vor Welthungerhilfe-Werbefigur oder Fast-Food-Ketten-Stammkundin, der Rock sollte, auch bei Minusgraden, nicht länger sein als 10cm. Auch dann, wenn das zugehörige Gesäß diese Ausdehnung überschreitet. Dazu natürlich eine enge Leggings oder auch Strumpfhose, Hauptsache, das ganze beißt sich farblich. Besonders gruselig sind Leggings in Kunstleder-Optik, die auch gerne als einziges Beinkleid getragen werden. Oberteile dürfen dagegen gerne lang sein, das spart dann den Rock. Damit man trotzdem nicht mehr Stoff verbraucht, wird dafür gerne großzügig obenrum gespart. Auch wenn man es nicht glauben mag: Das ist nicht immer schön.

Sind die Leggings mal zu kurz, heißt das noch lange nicht, dass die Stiefel dementsprechend höher sein müssen. Da kann frau ruhig trotzdem Pumps oder auch Ballerinas tragen. Vom Make-Up möchte ich gar nicht erst anfangen, jedoch noch ein Zitat des guten Atze Schröder loswerden: ”Ich mag das ja manchmal so'n bisschen billig.”

Ich hör jetzt lieber auf, bevor ich den Glauben an die Menschheit verliere. Haben die Schweden eigentlich keinen Spiegel zuhause?

Zum Glück gibt es auch sehr erfreuliche Gegenbeispiele, doch leider sind diese äußerst rar gesät. Euch, liebe Leser, entlasse ich jetzt mir dieser Skizze einer leider nicht ungewöhnlichen Farbkombination:

Gehabt euch wohl!


der Michi

Freitag, 31. Oktober 2008

Der Bollerofen...

...welch nützliche Erfindung. Spendet er doch Wärme, Gemütlichkeit, rustikales Ambiente und den zarten Duft gen Himmel steigender Raucharomen. Und in unserer modernen, oftmals allzu schnelllebigen Welt gibt er dem Mann sein altes Refugium zurück, lässt ihn zurückkehren zu dem, was seit der Steinzeit seine wichtigste und zugleich auch schönste Aufgabe war: Feuer machen.

Warum ich hier so abschweife und mich in Schwärmereien ergehe? Die Antwort lautet: Spontanurlaub. Aber der Reihe nach: Die Nacht von Donnerstag auf Freitag war auf Grund eines noch zu schreibenden Aufsatzes von wenig (de facto: gar keinem) Schlaf geprägt, der darauf folgende Morgen bescherte mir einen längeren Aufenthalt in der Uni, und als ich nach Hause kam, wollte ich nur noch 2 Dinge: Meine Pizza essen und schlafen. Der erste Punkt dieser simplen Auflistung meiner Bedürfnisse war schon fast abgehakt, als mein Telefon klingelte. Ich muss gestehen, für einen Moment darüber nachgedacht zu haben, einfach nicht dranzugehen und mir selbst und dem Anrufer vorzuspielen, ich würde schon schlafen. Aber ne, kann ich ja nicht machen. Zuerst also die Frage: ”Hey Michi, heute schon was vor?” Darauf ich: ”Öhm, ja, also außer schlafen (lange und viel) eigentlich noch nichts...” - ”Gut, was hältst du von Urlaub? Wir haben übers Wochenende ne Hütte im Wald am See gemietet, schön mit Plumpsklo und Sauna und so, aber jetzt ist einer krank geworden. Willst du mit?” Und da ich ja ein spontaner Mensch bin, sagte ich: ”Hey, das klingt gut, wann soll's denn losgehen?”. Tja, fast bereute ich meine Spontanität, als ich hörte, dass ich noch knapp 1 ½ Stunden Zeit hätte, meine Sachen zu packen und alles zu regeln. See you, Schlaf! Also schnell die Pizza aufgefuttert, einen traurigen Blick Richtung Bett geworfen, den Rucksack rausgekramt und dann nichts wie rein mit meinen Siebensachen in den Beutel!

Knapp anderthalb Stunden später ging sie dann los, die lustige Fahrt in den 150km nördlich gelegenen Nationalpark mit dem schönen, aber für Nichtschweden unaussprechlichen Namen Färnebofjärden. Oder sollte man besser Irrfahrt sagen? Denn unsere Hilfsmittel zum Erreichen dieses Ziels waren die folgenen: Ein gemieteter VW Transporter, 1 Kompass, 3 Karten, die sich vor allem dadurch auszeichneten, unser Zielgebiet NICHT zu enthalten, eine dürftige Map24-Wegbeschreibung zu einem völlig anderen Ort und die obskure Wegbeschreibung des Hütten-Vermieters. Das klingt nach Spaß, zumal es ab ca. 17 Uhr in Schweden stockdunkel ist. Also folgten wir auf unserer Odyssee der Beschreibung des Vermieters, wobei wir noch einen kurzen Zwischenstopp in der Nähe von Uppsala zwecks Proviantaufnahme einlegten. Bei diesem Einkauf wurde dann auch der Geschlechterkonflikt zwischen den 3 Männern und 4 Frauen unserer kleinen Expedition in die schwedische Wildnis deutlich. Spätestens dann, als wir drei Herren eine Palette Eier samt Speck zwecks morgendlichem Verzehr zum Einkaufswagen trugen. Ich erspare mir an dieser Stelle weitere Ausführungen zu geschlechtsspezifischem Ernährungsverhalten.

Dann ging es weiter gen Norden, und es wurde sowohl noch dunkler als auch noch waldiger. ”Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist...” - ”Baum!” - ”Mist.” Dass ich nicht gerade mit einem rühmenswerten Orientierungssinn ausgestattet bin, sollte ja hinlänglich bekannt sein. Leider schien es meinen Mitreisenden ähnlich zu gehen, denn plötzlich standen wir mitten im Wald und wussten nicht mehr weiter. Die präzise Beschreibung des Zielgebietes belief sich nämlich leider auf den Namen des Ferienortes und den Vornamen der Vermieterin. Nach einigem Umherirren im Dunkeln fiel uns plötzlich ein weißer Volvo auf, der uns scheinbar folgte.

Ok, wir sind alleine mitten im dunklen Wald, weit abseits jeglicher Zivilisation, und uns folgt jemand? Das kann eigentlich nur 2 Dinge bedeuten: 1. Verwirrte Psychopathen die uns auflauern. 2. Unsere Vermieter, die so nett waren, uns zu suchen. Oder beides. Na gut, es war jedenfalls hauptsächlich Nummer 2, und so kamen wir dann doch noch an unserer Ferienhütte an. Augenscheinlich war dies einer der gemütlichsten Plätze auf der Welt. Die etwas skurillen, aber durchaus freundlichen Vermieter hatten schon sämtliche Lichter angeschaltet und den Bollerofen angeheizt. Erst bei der Abreise jedoch offenbarte mir die Vermieterin, in welch historischen vier Wänden wir da gehaust haben. Hielt ich die Zahl 1912 an der Küchenwand noch für das Jahr der Erbauung, ist es in Wirklichkeit nur das Jahr, in dem die Hütte von der anderen Seite des Sees, an der sie da schon für ca. 200 Jahre gestanden hatte, an den aktuellen Standort verpflanzt wurde. Das war zumindest das, was ich aus dem Englisch-Schwedisch-Gemisch der guten Frau entnehmen zu können glaubte.

Ein paar Eindrücke dieses absolut wunderbaren Wochenendes findet ihr hier (<- klicken).

Auch ein tieferer Einblick in die schwedische Tierwelt war mir an diesem Wochenende gestattet. Allerdings leider einer der eher unangenehmen Sorte. Denn was auch immer mich da gestochen hat, muss ein besonders übles Exemplar der gemeinen Sumpfmücke gewesen sein, jedenfalls sorgte sie dafür, das meine Hand auf das Doppelte ihrer Größe anschwoll (Tendenz steigend) und ich mich bis einschließlich Montag zur Spezies der Einarmigen Banditen zählen durfte. Meine linke Hand war nämlich zu nix mehr zu gebrauchen (außer als Anschauungsmodell für die maximale Schwellfähigkeit der menschlichen Hand).

Die Unsitte, amerikanische Festlichkeiten zu übernehmen, ist leider auch an den Schweden nicht vorbeigegangen. So wird auch hier reichlich Halloween gefeiert. Und da der Michi an sich ja kein Spielverderber ist, hat er sich auch hieran beteiligt:

Zum Schluss abermals meine Lieblingsrubrik. Ja genau, das schwedische Alltagsleben. Passt auch ganz gut zu Halloween, bisweilen ist es hier nämlich wirklich gruselig. Ich frage mich manchmal, ob der Schwede an sich keinen Spiegel zuhause hat. Worauf ich eigentlich hinaus will? Darauf, dass ich ganz froh bin, nicht jedem Modetrend hinterherrennen zu müssen. Dieser sieht hier nämlich im Moment folgendermaßen aus:

Für ”Männer” (so man sie denn als solche erkennt): Das Gesicht ziert eine Brille, die erschreckende Ähnlichkeit mit dem Modell hat, dass auch in unseren Karnevals-Nasenbrillen verbaut ist. Aber die Schweden meinen das ernst!!! Auch die sonstige Gestaltung des Antlitzes ähnelt der Nasenbrille, die ja gewöhnlich mit Bart geliefert wird. Das in Schweden gerade aktuelle Modell der Gesichtsbehaarung ist ein (möglichst blonder) Oberlippenbart, von dem ich hoffte, dass er bereits in den frühern 80ern ausgestorben sei.

Den Kopf bedeckt dazu gerne eine Mütze in Farben, die nicht zum Rest der Kleidung passen, und die auch innerhalb von Gebäuden oder bei warmem Wetter nicht abgenommen wird.

In Sachen Beinkleid geht der Trend gerade zu engen Karottenhosen, die auch gerne mal zu kurz sein dürfen, dazu wahlweise hässliche Turn- oder Lederschuhe (gerne auch spitz zulaufend!) mit weißen Socken oder aber auch Stiefel, die fast bis zum Knie gehen (und in die natürlich die Hose reingestopft wird). Im schlimmsten Fall sieht das dann ungefähr so aus:

Was die Frauen hier so tragen, erzähle ich euch dann beim nächsten Mal. Auch das ist leider meistens nicht weniger gruselig.

Bis dahin wünsche ich noch ein angenehmes Wochenende

der Michi

Sonntag, 19. Oktober 2008

"Hump-pa!"...

...”Hump-pa! Hump-pa!” Warum ich hier so oft ”Humppa!” rufe? Na klar, weil ich am Freitag Abend auf einem Eläkeläiset-Konzert war. Heidewitzka! DAS war mal ein brillianter Abend. Was? Einige wissen nicht, wer Eläkeläiset sind? Na, dann haben diese Einigen aber einiges verpasst. Bei dieser Formation handelt es sich um eine finnische Band, die ihr musikalisches Schaffen der Humppa, einer Art finnischer Polka gewidmet hat. ”Eläskeläiset” bedeutet auf Deutsch übrigens so viel wie ”Die Rentner”, weil laut Aussage der Band Humppa eigentlich Musik für Rentner ist. Und so kleidet sich die Band auch. Hey, stand da nicht gerade ”eigentlich”? Ja. Denn bei den sympathischen Finnen wird aus angestaubter Tanztee-Musik der optimale Party-Soundtrack. Denn es werden (mehr oder weniger) bekannte Songs aus dem Rock-, Pop- und Metal-Bereich gespielt, außerdem geschieht das ganze etwas schneller, als es bei dieser Musikrichtung eigentlich üblich wäre. Mittlerweile sind auch einige höchst gelungene Eigenkompositionen entstanden. Charakteristisch ist, dass bei so ziemlich jedem Liedtitel das Wort ”Humppa” vorkommt. Und das auf der Bühne gerne nicht nur musiziert, sondern auch kräftig gefeiert wird. Und ausgesprochen umtriebig sind die Finnen auch, spielen sie doch im Jahr laut eigener Angabe 80 bis 100 Konzerte, davon ca. 40 in Deutschland. Und was macht man auf Tour, wenn man nicht gerade auf der Bühne steht bzw. eher sitzt? Man versteckt Dinge, welche die Fans dann suchen und finden können. Vorzugsweise hochprozentige Getränke, manchmal aber auch ein Keyboard oder andere lustige Überraschungen. Als kleine Hilfestellung werden die Koordinaten der Verstecke dann auf der Bandhomepage veröffentlicht. Genug der Abschweifung, wer mal die Möglichkeit hat, Eläkeläiset live in seiner Nähe zu sehen, sollte das nicht verpassen, gute Unterhaltung ist garantiert.

Was ist sonst noch so passiert seit dem letzten Eintrag (der - Asche auf mein Haupt! - auch schon ein bisschen länger her ist, da mich eine fiese Erkältung niederstreckte)? Beispielsweise brach über Schweden eine Woche lang eine Invasion aus Deutschland ein, die ihr Hauptquartier in meiner bescheidenen Behausung aufschlug. Bilder davon gibt es hier (<- klicken!) zu sehen.

Und jetzt abermals meine Lieblingskategorie: Schwedisches Alltagsleben. Diesmal 3 Punkte. Zum ersten: Freizeit. Ja, manchmal sieht man Sportler in der Öffentlichkeit. Jogger im Park, Inline-Skater auf dem Gehweg, Halb-Liter-Stemmklassen-Meister in der Kneipe. Aber Stockholm kann mehr! Es wunderte mich beispielsweise sehr, auf einem der zentralsten Plätze in Stockholm Schnee zu sehen. Und das bei spätsommerlichen Temperaturen. Offenbar hatten ein paar findige Menschen sowohl die gute Idee als auch die passenden Sponsoren, um einen kleinen Snowboard-Wettbewerb mitten in der Innenstadt auf einer Treppe auszurichten und ein paar Meter weiter jungen Skateboard-Talenten die Gelegenheit zu geben, wahlweise der Öffentlichkeit sich selbst und ihre Künste zu präsentieren oder sich aber auch öffentlich die Knochen zu brechen. Jedenfalls gab mir diese interessante Gelegenheit, mich mal als Sportfotograf zu versuchen. Hier die Ergebnisse. (<- klicken).

Zweitens. Haustiere. Auch Haustiere und deren Besitzer sieht man bisweilen an öffentlichen Orten. Hundehalter samt Tier beim beschmutzen der Gehwege (und – in glücklichen Ausnahmefällen auch beim Beseitigen der Verschmutzung), streunende Katzen, Flöhe in der Haarpracht. Auch hier kann Stockholm mehr. Beispielsweise diesen jungen Herren in der U-Bahn-Station, ganz nach guter alter Piratenmanier:

Drittens. Warnschilder. Nicht nur in Deutschland wird man an jeder Ecke vor den Gefahren des Lebens gewarnt, nein! Auch die Schweden können das. Beispielsweise am Aufzug des Musikmuseums, wo man davor gewarnt wird, sich nicht von seiner Mülltonne (!) im Aufzug einklemmen zu lassen:

Ja, manchmal sind sie seltsam, diese Schweden.

Ich hoffen, ihr bleibt mir gewogen und kommt trotzdem wieder.

Hälsningar!

Der Michi

Samstag, 4. Oktober 2008

Zwei...

...zum Preis von einem. Oder so ähnlich. Jedenfalls gibt's heute für zwei Wochen nur einen Eintrag. Also einmal lesen, zwei mal informiert sein. Und es gibt was extra: Mehr Text, jede Menge Fotos und das Rezept der Woche!

Der frühe Vogel erfreut sich ja bei einigen Zeitgenossen außerordentlicher Beliebtheit. Da ich aber kein großer Freund des Würmerfangens bin, erschließt sich mir der Sinn des frühzeitigen Verlassens meines Bettes nur sehr selten. Manchmal lohnt es sich allerdings auch, wie ich auf einem morgendlichen Spaziergang durch die Stadt feststellen durfte:

Außerdem habe ich erkannt, warum die Schweden sich die hohen Preise hier ohne weiteres leisten können: Sie haben sich eine goldene Nase verdient, wie man an diesem jungen Mann hervorragend sehen kann:

Und auch in dieser Woche gab es wieder Veränderung. Während ¼ der deutschen Flurbelegschaft Kungshamra in Richtung Berliner Heimat verlassen hat, bekam ich pünktlich zu seiner Abschiedsparty netten und ausgesprochen willkommenen Besuch aus der Heimat. Also gings auch direkt am Samstag Morgen zum großen Herbstmarkt im Freiluftmuseum Skansen. Doch welch ein Schreck! Der Marktplatz war verwaist, nichts zeugte von dem angeblich riesigen und malerischen Markt mit traditionellem schwedischen Handwerk, Essen und Musik. Naja, der Park hat ja auch ansonsten einiges zu bieten, wie ich vor einigen Wochen schon beschrieb. Also fleißig den ganzen Park erkundet, bis wir irgendwann zufällig hinter dem Apfel-Café (ja, es waren große Apfeltage in Skansen, 250 Sorten wurden ausgestellt!) auf einen Weg stießen, der uns in einen Teil des Parks führten, der sich bisher sehr erfolgreich vor uns versteckt halten konnte. Und Pottstausend! Da war auch jener mysteriöse Markt, der den geneigten Besucher in ein längst vergangenes Schweden zurück zu versetzen vermochte. Zum Abschluss gab es noch drei Sorten Wild (Elch, Ren und irgendwas anderes) in einer Dünnbrotrolle mit Creme Fraîche. Eigentlich find ich Elche ja zu putzig, um sie zu verzehren, aber schmackhaft sind sie schon. Damit das ganze hier noch ein bisschen übersichtlich und leserlich bleibt, gibt es die Bilder dazu diesmal in einer eigens angelegten Galerie. (<- da klicken!)

Sonntag ging es weiter mit Grillen. Endlich mal wieder. Aber das eigentliche Highlight des Abends war auch das Highlight des folgenden Dienstages: Rock-Karaoke im Pub Anchor. Brilliant. Die Stimmung war am Dienstag sogar so gut (und vielleicht auch so feucht-fröhlich), dass ich mich selbst auf die Bühne verirrt habe.

Am Montag stellte sich mein Postbote mal wieder selbst ein Zeugnis grober Arbeitsverweigerung aus. In Erwartung eines Paketes aus der Heimat harrte ich dem Boten, der mich mit selbigem beglücken sollte. Seltsamerweise läutete meine Klingel nicht. Wie auch, wenn der faule Scherge sie gar nicht gedrückt hat. Was ihn aber nicht davon abhielt, einen ”erfolglosen Zustellversuch” zu melden und mir einen Zettel in den Briefkasten zu werfen. Na super. Das Abholen eines Paketes gestaltet sich nämlich insofern als schwierig, als dass man auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. Üblicherweise ist das in Stockholm kein Problem, wäre da nicht diese eine und einzige Linie, die zum Paketzentrum fährt. Die hat nämlich die höchst unangenehme Eigenschaft, nur 3 mal täglich für jeweils 2 Stunden im Halbstundentakt zu fahren. Und das üblicherweise nur dann, wenn ich gerade in der Uni sitze. Also konnte ich erst am Donnerstag nach einstündiger Reise die Hilfsgüterlieferung meiner fürsorglichen Familie in Empfang nehmen und mich am Inhalt erfreuen. Und gefreut habe ich mich! Vielen Dank dafür!

Und jetzt einmal mehr meine Lieblingskategorie: Schwedisches Alltagsleben. Zum Ersten: U-Bahn. Nachdem ich mich ja schon über die schier unglaublichen Fahrkünste schwedischer U-Bahn-Fahrer ausgelassen habe, rücke ich diesmal der Technik zuleibe. Notbremsen sind ja an und für sich eine durchaus praktische Sache. Man zieht im Notfall die Notbremse, und der Zug bremst. Unser Freund Wikipedia sagt dazu folgendes: ”Eine Notbremse ist eine technische Vorrichtung zur Auslösung einer sofortigen Bremsung, um Gefahr abzuwenden.” Sofortig? Nicht so bei den Schweden! Betätigt man eine schwedische ”Nödbroms”, hat diese den unglaublichen Effekt, dass der Zug an der nächsten Station hält. Im Notfall hält der Zug also genau da, wo er immer hält, und zwar zu der gleichen Zeit, zu der er da sonst auch hält. Wunderbar. Hoffentlich komme ich hier niemals in eine notbremsungsbedürftige Situation. Eine solche könnte zum Beispiel eintreten, wenn man in der Zugtür eingeklemmt wird. ”Moment, das kann ja gar nicht passieren!” schreit da mancher empört auf. Das ist richtig. Zumindest in Deutschland sind Zugtüren in der Regel mit Sensoren ausgestattet, die ein Einklemmen von Personen verhindern sollen. In Schweden besteht die einzige Sicherheitsvorkehrung aus einem Schild an der U-Bahn-Tür, welches besagt, dass man sich doch bitte nicht von der Tür einklemmen lassen soll, da man dabei Schaden nehmen könne. Danke auch.

Zum Zweiten: Feiertage. Jedes Land hat seine eigenen. Manche Länder jedoch feiern auch einfach die Feiertage anderer Länder, die in ihrem Ursprungsland eigentlich kaum oder zumindest nicht allzu intensiv gefeiert werden. So war ich ein wenig überrascht, in der Uni ein Plakat mit Deutschlandflagge zu sehen, welches besagte, dass am 3. Oktober der Tag der Deutschen Einheit auf dem Kampus gefeiert wird. Das ganze kombiniert man dann vorzugsweise noch mit ein wenig Oktoberfest, deutschem Bier und deutschen Würstchen. Und nicht nur an der Uni, auch sonst werden hier an mehreren Orten wahlweise Tag der Deutschen Einheit, Oktoberfest oder beides zusammen gefeiert.

Gerüchten zufolge ist das Studentenleben, besonders was Nahrungsmittel angeht, traurig und entbehrungsreich. Das an solchen Gerüchten auch etwas wahres dran ist, beweist das vermehrte Auftreten von Instant-Asia-Nudeln auf meinem Einkaufszettel sowie die Gründung der ”Noodle Connection” durch meinen türkischen Flurgenossen und mich. Bei dieser Vereinigung steht das nächtliche Zubereiten dieser kulinarischen Spezialität im Vordergrund. Auch werden sämliche Hersteller und Geschmacksrichtungen durch eine fachkundige Jury geprüft. Da ich aber auch ein großer Freund von sogenanntem ”richtigen” Essen bin, hier mal das Rezept für eine von mir kreirte Nudelsoße (ja, ich weiß, schon wieder Nudeln. Wem das nicht passt, darf mit dieser Soße auch gerne folgendes übergießen: Reis, Gnocchi, Bratkartoffeln, Toastbrot.).


”Der Hahn kräht nicht am End' der Nacht

weil Michi aus ihm Soße macht.”

Man nehme: 1-2 Stücke (ca. 200-300g) Hähnchenbrustfilet (wahlweise auch Pute), 200-300g braune Champignons, 1 Zwiebel, 1 Packung Creme Fraîche (200g), 2-3 Schmelzkäseecken (ca. 40-60g), 1 Brühwürfel (die gute Gemüsebrühe), ein guter Schluck Milch und Gewürze nach Belieben zum Abschmecken.

Und so gehe man vor: Die Hähnchenbrust in kleine Stücke schneiden und ab in Pfanne oder Wok, des Anbratens wegen. Nach einiger Zeit die Zwiebel dazugeben (vorher kleinschneiden!). Wenn das Geflügel nicht mehr roh ist, empfiehlt es sich, die geputzten Champignons (bloß nicht abwaschen, nur mit Küchenrolle abwischen!), die Creme Fraîche, den Schmelzkäse und den Brühwürfel (wer's nicht so würzig mag, sollte vielleicht nur ½ oder ¾ nehmen) ebenfalls in die Pfanne zu hauen, damit das arme Federvieh nicht so einsam ist. Kräftig durchrühren und Milch dazumischen, bis die Soße die gewünschte Konsistenz erreicht hat und der Brühwürfel sich aufgelöst hat. Dann mit Salz und Pfeffer abschmecken, je nach Geschmack auch mit anderen Gewürzen. Nochmal reichlich umrühren und über die gewählte Beilage, vorzugsweise Spaghetti, gießen. Fertig. Wer in diesem Rezept Kalorien findet, darf sie behalten und sich auf die Hüften legen.

Ach so, natürlich sollte man nicht auf die passende Schutzkleidung verzichten:

Und beim nächsten Mal verrate ich vielleicht sogar mein Bolognese-Rezept (welch Überraschung, wieder eine Nudelsoße!).

Es wünscht eine angenehme Zeit bis zum nächsten Eintrag

der Michi

Dienstag, 23. September 2008

Kultur, Kultur,...

...und nochmal Kultur. Wie sich das für fleißige Studenten gehört. Punkt 1 also: Wohnkultur. Was tun, wenn einem die studentische Wohngelegenheit nicht mehr zusagt? Genau, umziehen! Und wen fragt man, wenn sowas ansteht? Wieder richtig, den Michi! Natürlich kauft man in den Tagen vor dem Einzug erst mal reichlich ein, damit sich das Schleppen auch lohnt. Und nimmt die Blumen vom Nachbarn in Pflege, denn bekanntlich lassen sich große Pflanzen besonders einfach transportieren. Was braucht man? Klar, einen Transporter. Am besten schön geräumig, mit großer Ladefläche. Was liegt da näher, als einen riesigen Toyota Aygo zu mieten? Nach einigen Umbauarbeiten verfügte dieser moderne Klassiker des Lasttransports auch über genügend Ladefläche, um zumindest das Nötigste unterzubringen. Dank der unglaublich logischen, einfachen und geradlinigen Straßenführung in der Stockholmer Innenstadt und meines (an anderer Stelle bereits erwähnten) brillianten Orientierungssinnes (Didelidi – didelidi – didelidi*) war der Rest nahezu ein Kinderspiel.

Punkt 2: Studentische Existenzjubiläumsfestivitätskultur. Statt weiterer Worte soll ein Foto alles nötige zu diesem Thema sagen:

Punkt 3: Das Naturhistorische Reichsmuseum. Stockholm bietet ja bekanntlich eine Vielzahl von Museen. Eines der eindrucksvollsten Gebäude besitzt – neben dem Vasa-Museum - wohl das Naturhistoriska riksmuseum. Schwerpunkte dieses Museums sind - wie bei dem Namen zu erwarten – naturgeschichtliche Themen wie zum Beispiel die Geschichte der Menschheit, der Meeresbewohner, der Urzeittiere und so weiter. Weiterer wichtiger Bestandteil der Sammlungen dieses Museums sind Steine. Jede Menge davon. Nicht genug damit, dass das Gebäude aus eben solchen errichtet wurde, nein! Auch in den Ausstellungsräumen befinden sich welche, fein säuberlich in Vitrinen gepackt. Moment, sagte ich säuberlich? Bei diesem Exemplar ist ist sogar noch der Urzeitschimmel dran! Schweinerei:

Dafür gibt man sich betont umweltbewusst, einige Steine können sogar zur Beleuchtung eingesetzt werden. Und damit es nicht langweilig wird, sogar mit lustigem Muster:

Es gibt jedoch auch Dinge, die ich einem naturhistorischen Museum nicht zugetraut hätte. Sie haben meinen armen Kumpel Zedrik, das Zebra eingemauert! Entsetzlich:

Auch der Klimawandel hielt Einzug ins Museum. Naturkatastrophen können mittlerweile sogar schon innerhalb von Gebäuden entstehen! Hier der hauseigene Orkan:

Ebenfalls scheint sich ein anderer Aspekt der Kultur zu verändern. Sehen inzwischen die Toiletten in Deutschland auch schon so aus?

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf meine Lieblingsrubrik eingehen, das schwedische Alltagsleben. Wo zum Teufel werden eigentlich die schwedischen U-Bahn-Fahrer ausgebildet? In einem Simulator, der nur aus einem Gaspedal, einer Bremse und einem Tür auf/zu-Knopf besteht? Wer es schafft, in einem bestimmten Zeitraum möglichst oft abwechselnd ruckartig Gas und Bremse zu betätigen, hat gewonnen und darf ab sofort Nonstop die Linie zu meinem Wohnheim befahren. Danke dafür!

So, liebe Freunde, das war es für heute. Legt euch warm weg, ich schnapp' mir jetzt meine Kamera und geh den Sonnenaufgang fotografieren.


Der Michi


* ”Oh, ein Ironiedetektor! Welch nützliches Gerät!”

Mittwoch, 17. September 2008

Schon wieder...

...ist eine Woche vorbei. Und auch diesmal hat sich so einiges ereignet. Zum einen natürlich sehr willkommener Besuch aus der Heimat, zum anderen gehen damit ja auch diverse Sehenswürdigkeits-Besichtigungs-Aktivitäten einher. Ja, ich habe es endlich geschafft, die Schären zu sehen. Jenen possierlichen Inselhaufen, der sich in mannigfacher Vielfalt zwischen Mälarsee und Ostsee herumfläzt. 22000 (genau, in Worten: zweiundzwanzigtausend) höchst idyllische Eilande, auf denen ich gerne ein nettes Ferienhäuschen hätte. Schön klein aus Holz, mit Bollerofen und Bootsanleger. Und wie kommt man auf eine solche Insel? Wie man AN eine solche Insel kommt, sollte hinlänglich bekannt sein. Da genügt schon ein mittelgroßer Lottogewinn. Bleibt also das Problem mit dem AUF. Und genau da haben mein namentlich nicht näher genannter Piratenkollege in spe und ich einen Plan gefasst. Und zwar einen brillianten. Ein Segelschein muss her. Und wo kann man einen solchen besser erwerben, als in der alten Hochsee- und Piratenhochburg Münster? Hochschulsport, mach dich auf was gefasst. Wenn dereinst die schwarze Flagge mit dem lustigen Knochenkopp über dem Tretboot weht, ist es wie einst bei Störtebeker und seinen Likedeelern für jedes Schiff zu spät...

Zurück zu den Schären, so sieht's da unter anderem aus:

Stilecht reiste man natürlich auf einem über 100 Jahre alten Schiff, und um es noch prunkvoller zu gestalten, saßen wir im edlen Salon mit wundervollem Ausblick und regenabweisendem Dach über dem Kopf. Welches leider auch nötig war.

Und wo wir schon in solch maritimer Stimmung sind, geht es gleich weiter. So sieht ein Segelschiff beim Einparken aus:

Allerdings hat der Käpt'n geschummelt, ich hab ganz genau den Motor gehört.

Wenn man sich wie ich fernab der Heimat aufhält, interessiert man sich ja doch dafür, was zu Hause kulturellerweise so vor sich geht. Dazu möchte in an dieser Stelle noch einige Empfehlungen loswerden. Zum Einen entdeckte ich soeben die grandiose ZDF-Mediathek. Vor allem beim Unterpunkt „3SatFestival“ findet sich brilliante Satire und erstklassiges Kabarett. Zum Anderen konnte ich nicht widerstehen, im Akademibokhandel eins meiner Lieblingsbücher zu erwerben, da ich mein eigenes Exemplar vor einiger Zeit verliehen habe. Meiner Meinung nach eines der besten Bücher, welche die deutsche Literatur bisher hervorgebracht hat. Ein Freund etwas altmodischerer Ausdrucksweise sollte man allerdings schon sein, denn bei diesem Werk handelt es sich um das 1843/44 von Heinrich Heine geschriebene „Deutschland. Ein Wintermärchen.“ Dem geneigten Leser möge es viel Freude bereiten, daher auch mein heutiges Zitat des Tages, obwohl ich ansonsten eher den Früchten der Mosel zugetan bin:

„Was ist der Mensch? Ein hohler Begriff. / Nur eine abstrakte Hülle! / Konkreten Inhalt verleiht ihm erst / Des Rheinweins edle Fülle.“

Was gab's sonst noch? Warm anziehen sollte man sich. Weder aufgrund drohender Ärgernisse, noch trotz des Klimawandels. Auch wenn es im September in Schweden bisweilen schon winterlich anmutet, ist auch das hiesige Wetter noch kein wirklicher Grund für Neuanschaffungen im Bereich winterlicher Kleidung. Vielmehr stecken Reisepläne dahinter. Deren Ausführung muss ich zwar noch bis Mitte Dezember harren, jedoch ist die Vorfreude schon spürbar. Lappland ist angesagt. Ja, genau, da oben im Norden, wo es im Winter auch gerne schon mal – 30 (in Worten: „minus dreißig“) Grad Celsius kalt wird. Schließlich hat der gute Herr Celsius ja auch in Schweden die nach ihm benannte Temperatur erfunden. Desübrigen zittere ich nicht vor Kälte, ich zittere vor Wut, weil es nicht noch kälter ist. Ich bin jedenfalls schwer gespannt, vor allem auf Hundeschlittenfahren und Kaltgetränke im Eishotel. Und folgendermaßen bekleidet muss ich auch keinen Wintereinbruch fürchten (Nein, ich bin nicht der dicke schwarze Bruder vom Michelin-Männchen):

Bevor es jedoch dahin geht, wo Fuchs und Hase vorm Gute-Nacht-Sagen gemeinsam ins Eisbein beißen, geht es im November auf Kreuzfahrt. Und zwar auf Studenten-Kreuzfahrt nach Riga. Getreu der alten Volksliedstrophe: „Drum Schifflein, Schifflein, du musst dich wenden, musst den Bug nach Riga lenken, in die russische Kaufhandelsstadt, in die russische Kaufhandelsstadt...“. Nun gut, russisch ist Riga mittlerweile nicht mehr, sondern Hauptstadt der Letten (nein! So bezeichnet man genausowenig die Mitarbeiter schwedischer Leichtmargarinefirmen, wie man dieselbe nicht im schönen „Letter Bruch“ abbaut.), also Lettlands. 3 Tage auf dem Schiff für 7 Stunden Riga. Angeblich soll die Stadt es wert sein. Wir werden sehen. Aufgrund des absoluten Spottpreises von nur 190 Kronen (ca. 21 Euro) für die Fahrt incl. Übernachtung in der 4er-Kabine erwarte ich noch einen Haken. Auch hier bleibt nur abzuwarten und zu hoffen.

Und mir bleibt jetzt noch, eine angenehme Nacht zu wünschen.

Der Michi

Dienstag, 9. September 2008

Ich bin wirklich...

...ein glücklicher Mensch. Denn diese Woche stand ganz im Zeichen der Musik. Und das ist ja bekanntlich ein gutes Zeichen. Freitag abend ging's in den Freizeitpark „Gröna Lund“, der über eine sehr schöne Open-Air-Bühne verfügt. Und die wird im Spätsommer reichlich genutzt. Zu meiner besonderen Freude geschah dies am Freitag durch die schwedische Punkrock-Legende „Millencolin“ sowie zwei Vorbands. Aufgrund völliger Verwirrung, die durch die Unbilden des Stockholmer Nahverkehrs zustande kam, konnten wir leider nur noch die zweite dieser Vorbands sehen, die aber – gemessen am zarten Alter ihrer Mitglieder – hervorragendes leistete. „NeverStore“ hießen die Jüngchen, die da eine sehr ordentliche Show und reichlich Spielfreude an den – langsam ausklingenden – Tag legten.

Millencolin hingegen zeichneten sich vor allem durch ihre Professionalität aus. Ich habe zwar nicht so ganz genau mitgezählt, aber es waren mindestens 7 verschiedene Banner, die abwechselnd den Bühnenhintergrund zierten. Sogar für die Zugabe gab's ein eigenes Backdrop. Auch ansonsten wussten die 4 Schweden ganz genau, was sie tun und wie sie es tun. Jedenfalls wirkte alles sehr routiniert, was ein bisschen den Wunsch nach mehr Rock 'n Roll-Feeling aufkommen ließ. Nichtsdestotrotz eine sehr gelungene Show. In Bildern sieht das in etwa so aus:

Noch viel besser ging es am Sonntag weiter. Zusammen mit einigen mehr oder weniger extra aus Deutschland angereisten Freunden (na gut, Urlaub machen wollten sie hier sowieso) ging's ins „Debaser“, einen recht hübschen kleinen Club, dem an diesem Abend Lautes und Heftiges bevorstand. Ja, endlich war es soweit! Ganz schön lange hab ich auf diesen Tag warten müssen. Mir passiert es nämlich zu meinem Leidwesen recht häufig, dass Bands, die ich hervorragend finde, sich entweder wenige Minuten später auflösen oder das schon längst getan haben. Letzteres war bei „At The Gates“ der Fall, als ich vor einigen Jahren deutlichen Gefallen an ihrer Musik fand. Nur standen da die Chancen eher schlecht, die Band noch mal in Aktion zu sehen, schließlich war bei der Göteborger Formation schon 1996 Schicht im Schacht. Wie groß war die Freude, als die Band sich endlich aufraffte, im Jahre 2008 noch mal eine standesgemäße Abschiedstour zu fahren. Offensichtlich hat man das vor 12 Jahren versäumt. Welch glücklicher Zufall, dass ich just zum Zeitpunkt des letzten Konzerts in Stockholm in eben selbiger Stadt weilen durfte und auch noch eine Karte für dieses Ereignis ergattern konnte. Manchmal spielt das Leben offensichtlich genau mein Spiel. Was soll man weiter sagen? Die erste Vorband war rumpelige Grütze, die zweite Vorband (Grand Magus – gesprochen „jrand magüss“) lieferten ordentlich ab, und über At The Gates muss ich eigentlich nicht viele Worte verlieren außer: „Boah!“. Das Warten hat sich gelohnt. Hölle und Teufel! Wem auch immer diese Jungs ihre Seele verkauft haben, um so eine Show auf die Bühne zu legen: Das war eine ausgesprochen gute Idee!

Soviel zu den mehr als angenehmen Seiten des Lebens, jetzt geht’s mit meiner Lieblingsrubrik, dem schwedischen Alltagsleben, weiter. Über seltsame Gewohnheiten dieser ebenso seltsamen Schweden berichtete ich ja bereits. Hier ein paar weitere Episoden:

Erstens: Schlangen. Nein, ich wurde weder gebissen noch gewürgt. Ich bin auch nirgendwo draufgetreten und habe nichts einen Hamster am Stück verspeisen sehen (Ohne zu kauen!). Schwedische Schlangen sind gar menschlicher Natur. Der Schwede an sich stellt sich Gerüchten zufolge gerne an. Und zwar nicht weinerlicherweise, sondern hinten. Eben am Ende jener Schlange. Und weil hier, ähnlich wie in Deutschland, alles seine Ordnung haben muss, werden bei jeder sich bietenden Gelegenheit reichlich Zettelchen mit Nummern drauf gezogen. Das mag bei Ämtern und ähnlichem nicht sonderlich verwunderlich scheinen, aber wenn man selbst am Fahrkartenschalter Zettelchen ziehen muss, um ein Ticket zu kaufen, irritiert mich das.

Zweitens: Mal wieder unsere Wohnheimsküche. Warum zum Teufel funktioniert der Wasserkocher nicht? Und wie viele Hebel soll ich an diesem Toaster noch drücken, damit mein Toast endlich knusprig dunkelschwarz ist? Des Rätsels Lösung ist die Zeitschaltuhr, die an sämtlichen Steckdosen angebracht ist, und die Elektrogeräte des geneigten Benutzers für maximal eine halbe Stunde mit Strom versorgt. Oder eben – im abgeschalteten Zustand – nicht. Die brandschutzbegeisterte Sicherheitsfachkraft wird es freuen, den noch nicht eingeweihten, aber hungrigen Studenten treibt es bisweilen an den Rand der Verzweiflung. Denn dieses Gerät ist nicht etwa gut sichtbar auf Augenhöhe platziert, sondern fristet sein tristes Dasein unter (!!!) den Hängeschränken.

Dass Schweden etwas eigenbrötlerisch und zuweilen nicht sonderlich kontaktfreudig sein sollen, kann ich übrigens nicht bestätigen. So trafen wir in der U-Bahn zwei ausgesprochen redselige Vertreter dieses Volkes, die uns spontan in ihre (und übrigens auch unsere) Stammkneipe, den „Anchor“ einluden. Nach einem sehr amüsanten Abend bei Nachos und Livemusik lud uns einer der beiden sogar zu einem - von ihm organisierten - Oktoberfest ein. Ich bin gespannt. Wenn ich solcherlei Festivitäten schon in Deutschland nicht beiwohne, kann ich's ja hier versuchen. Hier übrigens ein Foto eines schwedischen Prachtexemplars bei der Demonstration seines neuen Bierglashalters:

Da mich morgen netter Besuch aus der Heimat erwartet, geht es jetzt zügig ins Bett, schließlich muss ich morgen früh raus und Zutaten fürs Willkommensessen besorgen. Gehabt euch wohl!


Der Michi

Dienstag, 2. September 2008

Schwedisches Alltagsleben...

...und andere seltsame Dinge. Ja, diese Woche geht es um die kleinen Alltäglichkeiten. Alltäglich in Studentenwohnheimen (zumindest hier) ist, dass Leute ein- und ausziehen. In meinem konkreten Fall ist Pedro aus einem der Zimmer hier im Flur ausgezogen, um mit einigen Freunden zusammen in ein Haus mit Swimming Pool zu ziehen. Recht schade eigentlich, schließlich ist er ein höchst geselliger Zeitgenosse, aber nachvollziehbar ist das Ganze schon. Zumal sein Vertrag hier ausgelaufen ist.

Soviel zur Verbesserung seiner Wohnsituation. Die Verbesserung meiner Wohnsituation geht damit allerdings einher. Er hat mir nämlich etwas hinterlassen. Und zwar den besten Freund des Menschen. Nein, keine Sorge, ich muss jetzt weder Hundefutter kaufen noch ständig kleine Plastiktüten für Hinterlassenschaften mit mir rumschleppen. Entgegen weit verbreiteter Annahmen ist der beste Freund des Menschen nämlich nicht der Hund, sondern der Kühlschrank. Und ein solcher ziert jetzt mein Zimmer. Nur für mich alleine! Juchu!

Ein alltägliches Problem ist jedoch das Füllen eben jenes Kühlschrankes. Alter Schwede! Oder wie Obelix sagen würde: „Die spinnen, die Schweden!“. Oder sie verdienen einfach recht gut. Ein Blick auf die Preisschilder in durchschnittlichen schwedischen Supermärkten lässt dem deutschen Kurzzeit-Einwanderer jedenfalls den kalten Angstschweiß den Rücken herunterlaufen. Angst – vor einer Hungersnot. Räumlich zwar auf das eigene Studentenzimmer beschränkt, aber dadurch nicht weniger tragisch.

Rettung naht – wie könnte es anders sein – aus der Heimat. Unter massivem öffentlichen Protest (schwedische Boulevardblätter hetzten auf's Gemeinste!) leisteten die Funktionäre der Lidl-Stiftung Pionierarbeit. Ihre Mission: In Schweden Lebensmittel zu Preisen feilzubieten, bei denen das Monatsbudget nicht schon nach einer Woche aufgebraucht ist. Danke dafür!

Für Genussmenschen, zu denen man mich gerne zählen darf, ist Schweden ein zweischneidiges Schwert. Zum einen sind die Zimtschnecken hier definitiv die besten der Welt und zudem an jeder Ecke erhältlich. Außerdem gibt es hier sowohl Daim als auch Marabou-Schokolade mit Daim. Und außerdem mit unzähligen anderen wundervollen Geschmacksrichtungen. Zum anderen jedoch sollten Freunde hochgeistiger Genüsse besser ein reichlich gefülltes Portemonaie mitbringen. Sonst bleibt der edle Tropfen im Regal der staatlich kontrollierten Alkoholausgabestellen stehen.

Ganz und gar nicht alltäglich ist hingegen die Qualität des hiesigen Studentenorchesters. Potztausend! Ein Studenten- und Showorchester allererster Güte. Und die Show wird bei dieser Truppe groß geschrieben. Kaum einer der Musiker begeistert nicht zwischen oder während den Stücken mit einer akrobatischen, musikalischen oder tänzerischen Sondereinlage. Hier einige Eindrücke:


Diese Band sollte man sich auf ihrer nächsten Deutschlandtour nicht entgehen lassen. Von Rock 'n Roll über Swing und Jazz bis Pop ist fast alles dabei.

Mein Alltag jedenfalls gestaltet sich bisweilen arbeitsreich. Ich habe nämlich quasi das „Schwedisch-Komplettpaket“ gebucht. Schriftliche Fertigkeit, mündliche Fertigkeit, Grammatik und Realia, also in etwa Landes- und Kulturkunde. Hier darf gelesen werden. Und zwar reichlich! Ebenso wie geschrieben und gesprochen. Zu jeder Stunde in „schriftlicher Fertigkeit“ ein Aufsatz, zu fast jeder Stunde in „mündlicher Fertigkeit“ ein Vortrag, zumindest aber Teile eines Romans und andere Hausaufgaben, zu jeder Grammatik-Stunde reichlich Übungen. Mich über mangelnde Beschäftigung zu beschweren, liegt mir also ferner als mein armes Motorrad, das in der heimischen Garage meiner Rückkehr harrt.

Und wenn ich mal nicht gerade mit Bildung beschäftigt bin, widme ich mich meinem neuen „Lieblingshobby“: Waschen! Allerdings fürchte ich, dass aus mir wohl doch kein weiße Wäsche waschen wollendes Waschweib wird. Das liegt nicht alleine daran, dass mich kein einziges weißes Kleidungsstück nach Schweden begleitet hat, sondern auch daran, dass ich sage und schreibe 4 (V-I-E-R) Stunden gebraucht habe, um die Wäsche von knapp 2 Wochen zu waschen. Böse Zungen würden es meiner Unfähigkeit zuschreiben, ich jedoch schildere es folgendermaßen:

Phase 1: Der Gang in den Wäscheraum zur Überprüfung freier Kapazitäten. Ok, Waschmaschinen sind zur Genüge vorhanden.

Phase 2: Zurück ins Zimmer. Wäsche und Waschmittel holen.

Phase 3: Voll beladen auf in den Waschraum. Ok, alles auf 2 Maschinen verteilt. 30 Grad für meine geliebten Shirts scheint den Maschinen hier unbekannt zu sein, also müssen es wohl 40 sein. Die andere Maschine bekommt direkt 60. Viel hilft viel. Tür zu, Waschmittel rein, ab dafür.

Phase 4: Ca. 45 Minuten später. Na super. Waschmaschine 1 zeigt noch 28 Minuten Restzeit und ein leuchtendes „E“ für „Error“ an. Tür auf, Tür zu, kräftig rütteln, wieder einschalten. Zumindest Waschmaschine 2 ist fertig. Also wird der Inhalt in einen der Trockner verfrachtet. Ein Modell mit Trommel. Mittlere wärme, 15 Minuten. Erwähnte ich, dass ich noch nie einen Trockner bedient habe?

Phase 5: Ok, 15 Minuten waren zu wenig. Nochmal das gleiche. Mittlerweile hat sich auch Waschmaschine 2 dazu durchgerungen meine Wäsche in Ruhe zu lassen. Zum Trocknen derselben steht mir eine besonders ausgeklügelte Gerätschaft zur Verfügung. Ein Trockenschrank. Und siehe da: Es ist exakt ausreichend Platz für alle meine Shirts vorhanden. Geniale Konstruktion. Nur wie bedient man das gute Stück? 40 Grad, 30 Minuten? Ja, vielleicht.

Phase 6: Ok, der Inhalt des Trommeltrockners macht diesem Gerät alle Ehre. Alles ist trocken. Super. Ein Blick in den Schrank und ein prüfender Griff an Saum und Nähte sagt mir jedoch: Hier ist noch reichlich Feuchtigkeit im Spiel! Also nochmal das Ganze.

Fazit: Mein Erfahrungsschatz ist um die Bedienung dreier Geräte reicher, dafür bin ich um 4 Stunden Lebenszeit ärmer. Ein guter Tausch? Vielleicht.

Und wer bis hierhin durchgehalten hat, der hat sich jetzt, ebenso wie ich, seinen geruhsamen Feierabend verdient. Gehabt euch wohl!


Der Michi

Montag, 25. August 2008

Angekommen...

...bin ich mittlerweile im schönen Stockholm. Doch zuerst einmal der Reihe nach. Nachdem unser zum Packesel umfunktionierter Autowagen vorerst sicher am Hotel abgestellt war, schrie die Stadt förmlich danach, erkundet zu werden.

Volles Programm war angesagt: Die obligatorische Altstadtbesichtigung, Postkarten kaufen, Bötchen (wie zum Teufel schreibt man diese Verniedlichung eigentlich richtig?) fahren, Inseln gucken. Absoluter Höhepunkt (neben der wirklich sehr schönen Altstadt „Gamla Stan“) für mich: Das Vasa-Museum. Und nein! Hier werden nicht die Höhepunkte schwedischer Knäckebrot-Backkunst ausgestellt, sondern der Höhepunkt königlichen Größenwahns. König Gustav II. Adolf kam während des 30jährigen Krieges auf die brilliante Idee, sich ein schickes neues Flaggschiff für seine Flotte bauen zu lassen. Also wurden mal schleunigst 1000 Eichen gefällt und genügend Kanonen gebaut, um dieses eine Schiff mit mehr Feuerkraft auszurüsten als die gesamte polnische Flotte. Da dieser Haufen an Kanonen leider nicht so ganz auf ein Deck passsen wollte, brauchte die Vasa natürlich noch ein zweites Kanonendeck. Unglücklicherweise hat man wohl vergessen, die Proportionen und den Ballast entsprechend zu verändern, was sich als eher ungünstig herausstellte. Denn kaum versuchte das schicke Schiff – bunt bemalt und mit reichlich fiesen, angsteinflößenden Figuren und Fratzen verziert – den Hafen zu verlassen, endete die Jungfernfahrt am 10. August 1628 im Stockholmer Hafenbecken. Und zwar unter Wasser.

Nach 333 Jahren fiel den Stockholmern plötzlich ein, dass sie einstmals ein recht ansehnliches Flaggschiff besaßen, das man so langsam doch mal heben könnte. Und noch mal 20 Jahre später war das gute Stück konserviert und mit einem wunderschönen Museum drumrum versehen der Öffentlichkeit zugänglich. Absolut empfehlenswert, auch wenn einen ansonsten beim Gedanken an die schwedische Allgemein- und Schifffahrtsgeschichte eher weniger freudige Schauer durchlaufen.

Ebenfalls empfehlenswert ist Skansen, das erste Freilichtmuseum der Welt. Hier wurden die 150 schönsten und repräsentativsten Hütten aus ganz Schweden zusammengetragen um so einen Querschnitt durch schwedische Lebensart und Handwerkstradition zu bieten. Und hier kann man endlich mal das tun, was im Urlaub am meisten Spaß macht: Anderen bei der Arbeit zugucken. Und auch meine Befürchtungen, ein halbes Jahr in Schweden zu sein, ohne Elche zu erblicken, haben sich zerschlagen. Dieser entspannte Kollege hier fläzte sich faul vor meiner Kamera rum:

Und am Montag dann: Wohnheimsromantik. Nachdem uns unser heißgeliebtes Navi (beide!) mal wieder fröhlich 1 ½ Stunden lang quer durch die Stadt gescheucht hatten, ohne uns auch nur in die Nähe meines Wohnheimkomplexes zu führen, erblickten wir die studentischen Prunkbauten der 60er Jahre. Um vom ostalgischen Einheitsgrau abzulenken, kam ein findiger Mensch auf die farbenfrohe Idee, die Fensterrahmen gelb und blau zu pinseln. Da mein Zimmer im ersten Stock liegt und recht gut zu finden ist, war alles recht zügig eingeräumt. Nach kurzem Abschied wurde das nötigste eingerichtet und ich versuchte, die Leute auf meinem Flur näher kennen zu lernen. Oh ja, ich war sehr überrascht, hier wohn(t)en ausgesprochen nette Leute. Warum im vorigen Satz dieses „t“ in Klammern steht? Weil ungefähr die Hälfte der netten Menschen, die ich hier kennen lernte, innerhalb der nächsten Tage ihre Sachen packten und auszogen. Aber die verbliebenen und neu dazugezogenen Küchenmitbenutzer sind allesamt äußerst sympathische Zeitgenossen. Und wir haben sogar einen „Guy on the couch“, der in unserem Fall allerdings eher ein „Girl on the couch“ ist, und zwar ein australisches, das – auch aufgrund ihrer hier wohnenden besten Freundin – unseren Flur wohl deutlich wohnlicher findet als ihr eigenes Wohnheim. Diese beiden Austalierinnen verbringen auch einen Großteil ihrer Zeit damit, diverse Studentenpartys und das Stockholmer Nachtleben auf Bierpreise, Musikauswahl und Tanzbarkeit zu überprüfen. Sehr praktische und zudem extrem amüsante Informationsquelle.

Unser Flurschotte hatte leider seinen letzten Abend, als ich ankam, machte aber mit Bierkrug und Kilt auch einen recht sympathischen Eindruck. Außerdem wohnen hier noch einige Deutsche, Asiaten und diverse Europäer.

Insgesamt kann man hier offensichtlich ganz angenehm wohnen, mein Zimmer ist ausreichend groß und mit dem Allernötigsten (Badezimmer, Strom, Internet) ausgestattet, der Rest ließ sich zum Glück recht schnell kostengünstig bei Ikea besorgen. Vor allem der Teppich, der das Zimmer erst so richtig gemütlich macht. Aber macht euch selbst ein Bild... oder Halt! Moment! Das hab ich ja schon für euch gemacht:



Falls übrigens jemand das dringende Bedürfnis verspürt, mich auf gutem, altmodischen Postweg zu erreichen, kann auch diesem Wunsch genüge getan werden. Und zwar vermittels dieser Adresse:

Michael Wietholt
Kungshamra 41 :119
SE – 170 70 Solna

(auf keinen Fall die 119 mit dem Doppelpunkt vergessen, das ist nämlich meine Zimmernummer.)

Und auch auf etwas neumodischerem Weg bin ich zu erreichen, dank meiner schwedischen Handynummer, welche da wäre:

0046 739 567 595


So, und jetzt wird wieder fleißig studiert.

Bleibt mir gewogen!


Med vänliga hälsningar

der Michi

Freitag, 15. August 2008

Auf geht’s, ab geht’s...

...und zum Glück nicht 3 Tage wach, sondern nur 2 Reisetage wenig Schlaf. Morgens um sieben klingelt der garstige Wecker, um fürs Erste gekonnt ignoriert zu werden. Die Nacht davor war von eher wenig Schlaf geprägt, weil doch noch so einiges gepackt und aufgeräumt werden wollte. Also, wenn auch widerwillig, raus aus dem Bett und rein in die Dusche, schnell noch 1 ½ Brötchen eingeworfen und nix wie los. Auf nach Lübeck/Travemünde zur Fähre. Auf dem Weg noch eine kleine Schnelltour durch die (sehr schöne!) Lübecker Altstadt. Der Besuch im Haus der Schifffahrtsgesellschaft zwecks Nahrungsaufnahme durfte (zum Glück!) natürlich auch nicht ausgelassen werden, denn hier versteht man in historisch-maritimem Ambiente zu kochen.

Der Versuch, in Travemünde noch schnell die Passat, das Schwesterschiff der 1957 gesunkenen Pamir, zu besuchen, scheiterte an der Wahl der Flussseite...offensichtlich hat es sich die Pamir am gegenüberliegenden Ufer bequem gemacht. Aber für das ein oder andere Foto konnte sie trotzdem noch als Kulisse herhalten:

Durch Eis und Espresso für die entgangenen nautischen Freuden entschädigt, war der Skandinavienkai, genauer gesagt die an selbigem wartende Fähre, das nächste Ziel.

Ja, diese Fähre. Von Travemünde ging es nach Trelleborg. Recht schönes Schiffchen, die „Holgerson“, wenn auch nicht allzu viel los war. Dafür wurde in der „Panorama Lounge“ Unterhaltung vom Feinsten geboten. Ein Alleinunterhalter, nennen wir ihn mal „General Midi“, der zwar in Statur und Frisur durchaus Götz Kühnemund glich, leider aber nicht dessen Musikgeschmack teilte, verwöhnte uns mit Country- und Instrumental-Klassikern, untermalt von feinstem Midi-Sound. Bontempis späte, aber dafür umso schmerzhaftere Rache. Irgendwie sah er traurig aus. Ganz alleine in seiner - als Piratenschiff dekorierten - Ecke.

Dafür war das Thekenpersonal freundlich, gut gelaunt und ebenfalls von der Horde pubertierender Mini-Schweden genervt, die zu späterer Stunde eher spärlich bekleidet die „Tanzfläche“ vor General Midi unsicher machte. Das sahen die beiden holländischen Trucker neben mir offenbar ähnlich, was zu spontanem gemeinsamen Bierkonsum zwecks Völkerverständigung führte. Als General Midi dann gegen 12 die nicht vorhandenen Segel seines Piratenschiffs strich, war das Klappbett in der Kajüte eine willkommene Unterlage für eingehende Betrachtungen meiner Augenlider. Von innen.

Die sanfte, leicht akzentbehaftete Stimme der Rezeptionistin machte uns am nächsten morgen darauf aufmerksam, dass im Speisesaal ein Frühstücksbuffet bereitstehen würde. Yieha! Eier, Würstchen, Speck, 2 Brötchen, begleitet von Apfelsaft, Wasser und Milch sind ein brillianter Start in den Tag. Allerdings ein recht eiliger, denn plötzlich war unser stolzer Hochseekreuzer im Hafen von Trelleborg eingelaufen (zum Glück nicht so stark, dass wir nicht mehr reingepasst hätten*).

Wenn man von Trelleborg nach Stockholm fahren möchte, empfiehlt sich die Anschaffung eines Autowagens mit Tempomat. Denn den kann man getrost am Ortsausgang von Trelleborg auf die maximal erlauben 110 km/h einstellen und nach ca. 5-6 Stunden in Stockholm wieder ausstellen. Südschwedens Landstraßen (oder sind es doch Autobahnen? Wir konnten uns nicht ganz einig werden...) sind nämlich ein Phänomen. Herrlich wenig Verkehr, nur sehr wenige kleine Baustellen, viel Landschaft und ein qualitativ hochwertiger Belag. Und wenn man das Glück hat, ein Stück an der Küste entlang zu fahren, sieht man sogar außer den sonst üblichen Bäumen auch eine wunderschöne Küstenlandschaft, reichlich garniert mit Booten, Buchten und Felsen. Und Wasser.

Ein eher seltsames Hobby der Schweden scheint das Aufstellen auf Pfosten gespießter Flugzeuge am Straßenrand zu sein. Hier ein, leider nicht ganz perfektes, Foto einer solchen Installation:

Ein eher unangenehmes Hobby unseres Navigationssystems hingegen ist es, uns in die Irre zu führen. Vielleicht lag es aber auch an der eher rudimentären Wegbeschreibung des Reiseveranstalters zum Hotel. Oder schlicht und einfach daran, dass ich über keinerlei Orientierungssinn verfüge. Schade auch. Wie man so schön sagt: „Menschen ohne Orientierungssinn sehen viel mehr von der Welt.“ Dem kann ich nur beipflichten.

Nach einer großzügigen Extra-Runde durch Stockholms Vororte sind wir jedenfalls endlich im Hotel angekommen. Kaum zu glauben, in meinem Zimmer steht sogar ein Kühlschrank. Ich hoffe er funktioniert. Leuchten tut's schon mal. Und noch eine grandiose technische Meisterleistung drückt sich an meiner Zimmerwand herum: Ein Hosenplattdrückautomat! Marke „Edward“. Ich werde ihn Eddi nennen. Ein dreifaches Hoch auf die Technik. Hoch! Hoch! Hoch!

Jetzt bin ich auf die Stadt an sich gespannt. Und auf mein Wohnheimszimmer, so ich es denn am Montag beziehen darf. Dann gibt’s auch hier wieder Neuigkeiten und Fotos.


Angenehmen Abend noch!

Der Michi


* Diejenigen, die sich schlechten Wortwitzen, der Königsdisziplin der abendländischen Literatur, lieber verweigern möchten, streichen diesen Satz bitte.